{"id":841,"date":"2007-12-16T23:22:16","date_gmt":"2007-12-16T21:22:16","guid":{"rendered":"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=653"},"modified":"2011-01-03T22:06:21","modified_gmt":"2011-01-03T21:06:21","slug":"kangdingchina-xianchina-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tour-en-blog.de\/?p=841","title":{"rendered":"Kangding\/China &#8211; Xi&#8217;an\/China"},"content":{"rendered":"<p>Etliche interessante Begegnungen gab es in Tibet. Deshalb noch ein kleiner Nachtrag zum letzten Reiseabschnitt.<br \/>\nDreimal treffe ich Pilgergruppen auf dem Weg nach Lhasa, die Unglaubliches vollbringen. Als wenn es nicht genug w\u00e4re, viele hundert Kilometer zu Fu\u00df unterwegs zu sein, <!--more-->legen sie sich alle 3 Schritte flach, langgestreckt auf die Erde &#8211; die bereits beschriebene, sog. Niederwerfung. Als mechanischen Schutz haben sie Holzbrettchen an den H\u00e4nden, eine Ledersch\u00fcrze vor dem K\u00f6rper und Schuhkappen aus Autoreifen. Die k\u00f6rperliche Belastung wird dadurch nicht geringer. All die P\u00e4sse und Pistenabschnitte, die ich mit dem Rad hinter mir habe, liegen noch vor ihnen. Das muss noch Monate dauern. Wahnsinn! Einer in der Gruppe transportiert auf einem Handwagen das Gep\u00e4ck. Soweit ich beobachten kann, werden die Pilger durch die lokale Bev\u00f6lkerung durch kleine Lebensmittelgeschenke versorgt.<br \/>\nIn Tibet treffe ich auch das bisher kurioseste Radfahrpaar. Sie und er auf einem Normalrad &#8211; er tritt, sie sitzt quer auf der Stange, hinten drauf ein gro\u00dfer Berg Gep\u00e4ck. Nicht so ungew\u00f6hnlich, wenn es nicht noch einige hundert Kilometer bis Lhasa w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Weiter ab Kangding. Hier \u00e4ndern sich Land und Leute. Es erscheint mir als Grenzregion zwischen tibetischer und chinesischer Kultur. Ein letzter h\u00f6herer Pass, ein 4176m langer Tunnel, in dem ich mich zusammen mit 60 entgegenkommenden, ohrenbet\u00e4ubenden Milit\u00e4r-LKW befinde, hinunter durch eine enge Schlucht mit Bambuswald und das tibetische Hochland ist durchquert. Ich glaube, bis Japan steht nun nichts mehr im Weg. Oft f\u00fchle ich mich, als w\u00e4re ich so gut wie am Ziel. Dabei ist es noch ein St\u00fcck und erfahrungsgem\u00e4\u00df ziehen sich die &#8222;letzten&#8220; Kilometer.<\/p>\n<p>Die unendlichen Abfahrtskilometer, teils bei schlechtem Wetter und schlammiger Strecke, haben vor allem meinen Felgenbremsen und Felgen stark zugesetzt. Die Bremskl\u00f6tze schleifen so schnell ab, dass ich in einer Abfahrt mehrfach die Bremsen justieren muss. Mit nur noch einer halb funktionierenden Bremse versuche ich, sicher ins Tal zu kommen. Irgendwann ist die Flanke so d\u00fcnn geschliffen, dass sie an mehreren Stellen bricht. Erstaunlich, dass ich immer noch fahren kann, wenn auch langsamer bei reduziertem Luftdruck und ohne Vorderbremse. Ersatz aufzutreiben ist nicht ganz leicht, und es trifft sich vorz\u00fcglich, dass ich in der Stadt Mianyang einen chinesischen Radfahrer wiedertreffen m\u00f6chte &#8211; Meng Bing, dem ich nahe Lhasa begegnet war genau vor einem Monat. Er ist ein richtiger Rad-freak, arbeitet in einem Fahrradladen, hat einen Radclub gegr\u00fcndet, f\u00e4hrt Mountainbikerennen. Beim Fragen nach dem Weg auf der Suche nach Meng Bings Radshop mischt sich die Polizei ein. Ich soll folgen. So geht&#8217;s mit Blaulicht-Polizeieskorte (bzw. hier Rotlicht) durch die Stadt bis zum Laden.<br \/>\n2 N\u00e4chte bleibe ich. Wir tauschen einige Teile am Rad und bauen ein neues Vorderrad. Ich wohne eine Nacht in einer Art Fahrradclub-Clubhaus mit Musikanlage und deutschen Fahrradzeitschriften. Da h\u00e4tte ich gut noch einen Tag alleine sein k\u00f6nnen. St\u00e4ndig werde ich zu sehr leckerem Essen eingeladen und kommen Menschen, um mich und mein Rad zu sehen. Hier auch meine bisher gr\u00f6\u00dfte Pressekonferenz &#8211; ein Fernsehsender, eine Radiostation, eine Zeitung gleichzeitig. Am n\u00e4chsten Tag noch ein Zeitungsinterview. Die Fernsehleute filmen mich beim Essen, und eine Frage lautet, wo ich gelernt h\u00e4tte, mit St\u00e4bchen zu essen. In der Zeitung werde ich als &#8222;deutscher Forrest Gump&#8220; bezeichnet &#8211; !?.<br \/>\nEine Gruppe des Radclubs bringt mich die ersten Kilometer aus der Stadt auf den weiteren Weg.<\/p>\n<p>Auch wenn es Menschen gibt, die Englisch sprechen, gibt es weiterhin Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten. Ich bem\u00fche mich, ein paar chinesische Worte zu lernen. Diese \u00e4ndern sich aber mindestens in der Aussprache in verschiedenen Regionen, und etwas falsch ausgesprochen, versteht mich niemand mehr. Oft habe ich jedoch den Eindruck, man gibt sich keinerlei M\u00fche mich zu verstehen.<br \/>\nZun\u00e4chst kann es passieren, dass angesprochene Leute gleich weglaufen &#8211; vielleicht ein \u00dcberbleibsel aus Zeiten, wo der Kontakt zu Ausl\u00e4ndern Unannehmlichkeiten mit der Staatsmacht mit sich bringen konnte.<br \/>\nOft ist meine Geduld stark strapaziert, wenn Worte, die ich schon so oft benutzt habe nicht funktionieren, ich Zeichnungen mache oder Pantomime und dabei von Leuten umringt bin die sich von Anfang an auf den Standpunkt stellen, dass sie sowieso nichts verstehen und sich untereinander \u00fcber dieses Nichtverstehen am\u00fcsieren und lachen, w\u00e4hrend sie mich ignorieren. Irgendwann kommt jemand, der meinem Geh\u00f6r nach wiederholt, was ich gesagt habe, alle wiederholen und freuen sich. Auf einmal alles sonnenklar.<br \/>\nJetzt ist die Herausforderung eine verwertbare Antwort zu bekommen &#8211; Beispiele: Ich frage einen Polizisten an einer Kreuzung nach dem Weg. Am Ende unseres kurzen Wortwechsels hat er mir 3 verschiedene Richtungen genannt. An einer Weggabelung erfrage ich die Richtung. Weil ich auf dieser Reise dazugelernt habe, frage ich sicherheitshalber 3 Leute. Dann habe ich 3 verschiedene Ausk\u00fcnfte &#8211; links, rechts und die Richtung, aus der ich komme.<br \/>\nImmer wieder muss ich feststellen, das die Menschen schwierig zu bewegen sind, ihre H\u00e4nde zu benutzen. Wenn ich einen Ort nenne, wieso kann man nicht einfach in eine Richtung zeigen? Nicht nur ein Mal dauert es noch etwas ein Ziel zu erreichen, das in Sichtweite ist. Wenn die Antwort eine Zahl ist, wieso benutzt niemand seine Finger zum Zeigen, selbst nachdem ich mit den Fingern vorgez\u00e4hlt habe und meinem Gegen\u00fcber signalisiere, er soll mir die Antwort einfach mit den H\u00e4nden zeigen? Dabei gibt es hier ein sehr patentes System von Handzeichen, das es z. Bsp. erm\u00f6glicht, die Ziffern mit einer Hand darzustellen. Habe ich endlich die Antwort, mache ich das entsprechende Handzeichen. Ja genau, freuen sich wieder alle.<br \/>\nTypisch ist auch, dass auf meinen in Chinesisch vorgetragenen Satz &#8222;Ich verstehe nicht.&#8220; die Antwort folgt &#8222;Du verstehst nicht.&#8220; &#8211; mein &#8218;Gespr\u00e4chspartner&#8216; hat diesen Umstand also aufgenommen &#8211; und der Monolog beginnt von vorne, allenfalls mit erh\u00f6hter Lautst\u00e4rke.<br \/>\nAuch werden gerne Stift und Papier geholt, und es wird mir alles aufgeschrieben, weil ich nicht verstehe. Kein bisschen von der Sprache beherrschend, f\u00e4llt mir das Lesen chinesischer Schriftzeichen jedoch nicht direkt leichter.<br \/>\nDas alles soll aber nicht hei\u00dfen, das Tibeter und Chinesen in der Regel nicht ausgesprochen freundlich und hilfsbereit sind. Nicht selten haben sich Leute teils viel Zeit genommen, mich einfach zu der Einrichtung zu f\u00fchren, nach der ich gefragt habe &#8211; ein Internetcafe, ein billiges Hotel, ein Amt.<br \/>\nUnd von ganz ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ist die Preisgestaltung hier sehr korrekt. Nur einmal kam es zu einem Streit in einem Lokal, bei dem mir die kleine aber kr\u00e4ftig gebaute Frau des Hauses fast auf die Nase boxen wollte. Dabei hatte ich vorher gelesen, dass man als k\u00f6rpergr\u00f6\u00dfenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegener Europ\u00e4er dahingehend wenig zu bef\u00fcrchten hat.<\/p>\n<p>Nach der ersten chinesischen Gro\u00dfstadt Chengdu, erreiche ich die Stadt Xi&#8217;an, bekannt durch eine der gr\u00f6\u00dften Sehensw\u00fcrdigkeiten des Landes, die Terrakotta-Armee. Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich aber Freunde aus Berlin wiedertreffen.<\/p>\n<p>Tom<\/p>\n<p class=\"Anhang\">\nFotos zu diesem Artikel: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=666\" title=\"Kangding\/China - Xi'an\/China : Fotos\">Kangding\/China &#8211; Xi&#8217;an\/China : Fotos<\/a><br \/>Presse: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?page_id=771#Presse05\" title=\"Mianyang Evening News, Mianyang\/China, 22.09.2007\" target=\"_self\">Mianyang Evening News, Mianyang\/China, 22.09.2007<\/a><br \/>Radio: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?page_id=771#Presse04\" title=\"Mianyang\/China, 22.09.2007\" target=\"_self\">Mianyang\/China, 22.09.2007<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etliche interessante Begegnungen gab es in Tibet. Deshalb noch ein kleiner Nachtrag zum letzten Reiseabschnitt. Dreimal treffe ich Pilgergruppen auf dem Weg nach Lhasa, die Unglaubliches vollbringen. Als wenn es nicht genug w\u00e4re, viele hundert Kilometer zu Fu\u00df unterwegs zu sein,<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/841"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=841"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/841\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1093,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/841\/revisions\/1093"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=841"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=841"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=841"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}