{"id":834,"date":"2009-05-23T15:40:00","date_gmt":"2009-05-23T13:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=834"},"modified":"2013-02-04T13:24:05","modified_gmt":"2013-02-04T12:24:05","slug":"barcelonaspanien-berlindeutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tour-en-blog.de\/?p=834","title":{"rendered":"Barcelona\/Spanien &#8211; Berlin\/Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Barcelona, eine tolle Stadt, die in jedem Fall einen l\u00e4ngeren Aufenthalt lohnt. Viele sehr unterschiedliche, sehenswerte Bauwerke gibt es anzuschauen. Herausragend sind die organischen Geb\u00e4ude des Architekten Antoni Gaudi, das Casa Battlo, der Park G\u00fcell, die Kirche Sagrada Familia, an der seit 1882 gebaut wird.<!--more--><br \/>\nIn Barcelona gibt es ein dichtes Netzwerk an Fahrradmietstationen, das rege genutzt wird, nur die Stadt per Fahrrad zu verlassen ist wiedermal nicht vorgesehen &#8211; ausschlie\u00dflich Autobahnen und f\u00fcr Radfahrer gesperrte Tunnel f\u00fchren in die von mir geplante Richtung.<\/p>\n<p>Ich fahre hinauf in die Pyren\u00e4en in den Zwergstaat Andorra. Zwergenhaft ist vor allem die Hauptstadt und einzige Stadt des F\u00fcrstentums, Andorra la Vella. Sie zw\u00e4ngt sich in ein Tal mit steilen W\u00e4nden, so da\u00df man von jedem Punkt der Stadt aus deren Ende sehen kann. Drei Kilometer nach dem Ortseingangsschild folgt das Ortsausgangsschild der h\u00f6chstgelegenen Hauptstadt Europas. Das ganze Land sieht aus, wie ein alpiner Wintersportort, und es hat ordentlich Schlagseite. Von Spanien geht es Richtung Frankreich immer bergauf &#8211; h\u00f6her und h\u00f6her, es wird immer k\u00e4lter bis ich inmitten schneebedeckter Berge radle. Statt mit dem Fahrrad zu fahren, rutschen die Leute auf Brettern die Berge hinunter. Es geht \u00fcber einen fast 2500m hohen Pass, und die Pyren\u00e4en sind \u00fcberwunden &#8211; nach Himalaja und Anden ein Kinderspiel. Es geht hinunter nach Frankreich, das nach nur etwa 40km durch Andorra erreicht ist.<\/p>\n<p>In einer anderen Gr\u00f6\u00dfenordnung befindet sich mein Gesamtkilometerstand. 40075km zeigt der Fahrradcomputer, die L\u00e4nge des geografischen Erd\u00e4quators. Die Erde ist kilometerm\u00e4\u00dfig mit dem Liegerad umrundet.<\/p>\n<p>Mit h\u00f6chstm\u00f6glicher Tagesleistung d\u00fcse ich durch Frankreich an den Genfer See in die Schweiz, wo mein Bruder wohnt. Wir beide freuen uns sehr \u00fcber das Wiedersehen, ich genie\u00dfe zus\u00e4tzlich f\u00fcr 6 Tage, da\u00df ich mich nach langen an einem Ort ein wenig zu hause f\u00fchlen kann.<\/p>\n<p>Auf zur letzten Etappe. Nach einem Tag durch die Schweiz spricht man deutsch, einen weiteren Tag sp\u00e4ter erreiche ich Deutschland.<br \/>\nTrotz fehlender Exotik ist die Fahrt durch Deutschland nicht langweilig. Es macht Spa\u00df, das Heimatland mit den Augen eines Touristen zu sehen. Sehenswertes gibt es allemal &#8211; Freiburg, Heidelberg, Mainz, der Th\u00fcringer Wald, Erfurt. Nachdem ich in meinem Leben mehr als 50 L\u00e4nder mit dem Fahrrad bereist habe, ist es auch l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig, ein paar Defizite in Sachen Geografie Deutschlands zu beseitigen.<\/p>\n<p>Mein n\u00e4chstes Etappenziel ist der Ort Kriftel am Rand von Frankfurt a. M.. Dort wurde vor 2,5 Jahren in der Firma HP Velotechnik meine Street Machine zusammengeschraubt, das Liegerad, das seitdem auf meiner gesamten Reise ein zuverl\u00e4ssiges Werkzeug ist. Klar geht so eine Dauerbelastung nicht verschlei\u00dffrei vorbei, aber es gab nie einen Defekt, der uns gezwungen h\u00e4tte, das Rad zum Beispiel auf einen LKW zu verladen oder Liegerad-Spezialteile einfliegen zu lassen. Und nach mehr als 40000km macht es immer noch Spa\u00df, mit der Street Machine zu fahren. Bei einem sehr angenehmen Treffen kann ich meine Erfahrungen des Langzeittests an die Entwickler weitergeben, und ich bekomme dankenswerter Weise und zu meiner Freude ein paar verschlissene Teile kostenlos ausgetauscht.<\/p>\n<p>Nun sind es in etwa 200km zu Freunden in Th\u00fcringen, von dort ca. 200km zu Freunden in Sachsen-Anhalt, dann noch einmal so viel bis nach Berlin. Drei kurze Abschnitte, dazwischen kurze Pausen und Wiedersehen.<\/p>\n<p>&#8222;Aus Querfurt mit dem Fahrrad?&#8220;, fragen mich 2 Jungen ungl\u00e4ubig. Querfurt ist 20km entfernt. Erst nachdem sie dreimal gefragt haben, wird ihnen klar, da\u00df ich tats\u00e4chlich die ganze Strecke bis nach Berlin, noch knapp \u00fcber 200km, mit dem Rad zur\u00fccklegen m\u00f6chte. Inklusive dessen, da\u00df ich das vernuschelte Sachsen-Anhaltinisch eines der Jungen nicht leicht verstehe, der gleiche Dialog, wie \u00fcberall auf der Welt.<\/p>\n<p>Euphorisiert vom Gef\u00fchl, es, die Weltumrundung, geschafft zu haben, rollt das Rad bei herrlichem Fr\u00fchlingswetter von allein. Bei meinem Stopp in Sachsen-Anhalt \u00fcberrascht mich Denise mit ihrem Besuch &#8211; eine gro\u00dfe Freude, nachdem ich in den letzten 2 Monaten mehr als 4000km noch einmal alleine unterwegs war. Alles ist perfekt.<br \/>\nEinen drastischen Bruch gibt es, als wir Zeuge werden, wie eine Freundin schwer verunfallt mit noch nicht absehbaren, aber m\u00f6glicher Weise schwerwiegenden Langzeitfolgen. Da ich momentan nicht hilfreich sein kann, setze ich am n\u00e4chsten Tag meine Tour fort. Gelegentlich wurde ich gefragt, was das schlimmste Erlebnis der Fahrt war. Das ereignete sich gerade kurz vor der Ziellinie. Die gute Stimmung ist weg. Es rollt nicht mehr wie von allein. Gegenwind. Ich versuche, den Vorfall zumindest momentan zu verdr\u00e4ngen, denn es naht mein gro\u00dfer Tag, aber es gelingt nicht.<\/p>\n<p>Die letzte Nacht verbringe ich bei meinen Eltern vor den Toren Berlins. Am 19.4.2009 radle ich in die Stadt und nach 42148 radgefahrenen Kilometern schlie\u00dft sich der Kreis, wo am 14.10.2006 zusammen mit Maik alles begann, an der Weltzeituhr am Alex. Kairo steht auf dieser, Tokyo, Panama und Rio de Janeiro. Ich bin rund um die Uhr gefahren. Einige gute Freunde empfangen mich. Eine Freundin hat ein Willkommensschild mit Gesamtkilometerstand gemalt, das die Aufmerksamkeit eines zuf\u00e4llig anwesenden Fotografen des Berliner Kurier erregt und uns ein angenehmes Treffen mit interessierten Reportern in den n\u00e4chsten Tagen beschert (<a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/wp-content\/uploads\/Presse\/11%20-%202009-04-24%20-%20Deutschland%20-%20Berliner%20Kurier.pdf\" title=\"'Tour de Welt', Berliner Kurier vom 24.4.09\">&#8222;Tour de Welt&#8220;, Berliner Kurier vom 24.4.09<\/a>).<\/p>\n<p>Die Welt im Liegen &#8211; ein gro\u00dfes, viel Zeit in Anspruch nehmendes Projekt ist beendet. Unglaublich. So viel habe ich gesehen und erlebt, mir mit eigenen Augen ein Bild von der Welt gemacht, Teile der Welt intensiv kennengelernt. Viel g\u00e4be es noch zu sehen. Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf ein Ende des Nomadenlebens und die Annehmlichkeiten des Alltags in Deutschland, f\u00fcr uns Kleinigkeiten, aber nicht \u00fcberall selbstverst\u00e4ndlich.<br \/>\nDas Gr\u00f6\u00dfte an der Reise ist, da\u00df ich einen lange gehegten Traum angegangen bin und ihn realisiert habe, was wohl leider zu wenige Menschen von sich behaupten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Tom<\/p>\n<p class=\"Anhang\">\nFotos zu diesem Artikel: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=833\" title=\"Barcelona\/Spanien - Berlin\/Deutschland : Fotos\">Barcelona\/Spanien &#8211; Berlin\/Deutschland : Fotos<\/a><br \/>Presse: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?page_id=771#Presse11\" title=\"Berliner Kurier, Berlin\/Deutschland, 24.04.2009, Tour de Welt\" target=\"_self\">Berliner Kurier, Berlin\/Deutschland, 24.04.2009, &#8222;Tour de Welt&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barcelona, eine tolle Stadt, die in jedem Fall einen l\u00e4ngeren Aufenthalt lohnt. 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