{"id":830,"date":"2009-03-19T23:33:17","date_gmt":"2009-03-19T21:33:17","guid":{"rendered":"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=830"},"modified":"2009-03-20T00:42:26","modified_gmt":"2009-03-19T22:42:26","slug":"tarifaspanien-tangermarokko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tour-en-blog.de\/?p=830","title":{"rendered":"Tarifa\/Spanien &#8211; Tanger\/Marokko"},"content":{"rendered":"<p>Tanger, Marokko, ein Tor zwischen Europa und Afrika, das den meisten Afrikanern jedoch verschlossen ist. Tanger besitzt einen zwielichtigen Ruf. Auch, wenn selbst im Land die Marokkaner vor ihren Landsleuten warnen, mache ich von Anfang an positive Erfahrungen. Das soll sich bis zum Schluss nicht \u00e4ndern. Ich lerne die Marokkaner \u00fcberwiegend als sehr freundlich und gastfreundlich kennen. An l\u00e4chelnd gr\u00fc\u00dfenden und Beifall bekundenden Menschen besteht kein Mangel. In keinem Land wurde ich so oft zu einem Tee oder Kaffee eingeladen, zwei Mal zu einer \u00dcbernachtung. So macht eben jeder seine eigenen Erfahrungen, und genau darum geht es bei dieser Reise. Das Gl\u00fcck des Optimisten ist sowieso auf meiner Seite.<!--more--><br \/>\nSchwierig gestaltet sich manchmal die Suche einer \u00dcbernachtung in Hotels, wo man scheinbar lieber unter Seinesgleichen bleibt, und man muss sich damit abfinden, dass Preise etwas Dynamisches sind.<br \/>\nEinzig das Wetter empf\u00e4ngt mich unfreundlich &#8211; t\u00e4glich Regen. Neben der Stra\u00dfe steht das Wasser. Es geht durch eine gr\u00fcne, weitestgehend baumlose Landschaft. Die Sahara ist ein gutes St\u00fcck entfernt.<\/p>\n<p>Von Tanger fahre ich eine Rundtour durch die 4 sogenannten K\u00f6nigsst\u00e4dte, St\u00e4dte, die zu irgendeiner Zeit Hauptstadt waren und entsprechend einen Aufstieg erfahren haben. Das sind Rabat, Marrakech, Meknes und Fes. Zus\u00e4tzlich besuche ich Casablanca. Neben den Prachtbauten, vor allem Mosscheen, Koranschulen, Stadttore, ist in diesen St\u00e4dten die Medina, die Altstadt, ein Erlebnis. Umgeben von einer Stadtmauer bestehen sie aus einem Labyrinth aus Gassen und G\u00e4sschen. Darin befinden sich die Souks, die M\u00e4rkte und Handwerksviertel, seit jeher nach Gewerben sortiert, wobei in den bevorzugten Lagen heutzutage Kunstgewerbe an Touristen verkauft wird. Ein lebendiges Gewimmel mit mehr oder weniger aufdringlichen H\u00e4ndlern, wo sich durch dichteste Menschenmassen Eselkarren und Fahrr\u00e4der zw\u00e4ngen und hupend die Mopeds rasen. Es erfordert einiges an Konzentration, dort das Quartier wiederzufinden.<\/p>\n<p>Casablanca. Schon 16km bevor ich es erreiche, erblicke ich das Wahrzeichen der Stadt, das die K\u00fcstenebene weit \u00fcberragt. Es ist die Hassan-II.-Moschee, deren Minarett mit 210m H\u00f6he das h\u00f6chste religi\u00f6se Bauwerk darstellt. Mit Platz f\u00fcr 25000 Gl\u00e4ubige ist es die zweitgr\u00f6\u00dfte Moschee der Welt. Die gr\u00f6\u00dfte Moschee der Welt steht in Mekka, aber w\u00e4hrend Nichtmuslime zu ganz Mekka keinen Zutritt haben, ist die Hassan-II.-Moschee die einzige Moschee in Marokko, die von ihnen betreten werden darf &#8211; gegen ein ordentliches Endgeld versteht sich.<\/p>\n<p>Auf der n\u00e4chsten Etappe verbringe ich die Nacht in einer Polizeistation. Mit den Polizisten ziehe ich abends eine Runde durchs Dorf w\u00e4hrend das Rad in der Polizeistation parkt. Da f\u00fchlt man sich sicher. Neben dem Funkger\u00e4t vor dem Bild des Pr\u00e4sidenten schlafe ich komfortabler, als in den meisten Billigabsteigen.<br \/>\nNicht nur an diesem Abend diskutiere ich, soweit sprachliche Barrieren es zulassen, \u00fcber Religion. Man kann nicht nachvollziehen, wie ich ohne an einen Gott zu glauben nicht orientierungslos durchs Leben stolpere, ein Bild von der Welt habe und Werte. Dabei gibt es Schriften, die eindeutig die Existenz von Alah belegen, argumentieren die Einheimischen. Immerhin kann man mit den Leuten dar\u00fcber reden. Marokko ist ein durchaus westlich orientiertes, muslimisches Land. Augenscheinlich ist der Unterschied zu den am Anfang der Reise kennen gelernten, arabischen L\u00e4ndern bez\u00fcglich der Rolle der Frau. Diese scheinen hier freier. Lange nicht alle tragen ein Kopftuch, die wenigsten sind verschleiert.<\/p>\n<p>Der Stra\u00dfenverkehr bietet unterhaltsame Abwechslung beim Radfahren. Wie viele Familienmitglieder passen auf ein Motorrad? Wie viele Menschen k\u00f6nnen au\u00dfen an einem Kleinbus h\u00e4ngen? Wie weit in alle Richtungen \u00fcberstehend kann man einen LKW beladen? K\u00f6nnte man nicht auf einem hoch beladenen LKW oben eine Art Dachterrasse bauen, auf der K\u00fche stehen? Alles ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Marrakech, &#8222;Die Perle des S\u00fcdens&#8220; vor dem Hintergrund schneebedeckter 4000er des Atlasgebirges. Die Exotik, die mir der Name Marrakech suggeriert, findet sich auf dem Djemaa el Fna, dem &#8222;Platz der Gek\u00f6pften&#8220;. Einen vergleichbaren Platz habe ich noch nicht gesehen. Dort tummeln sich Schlangenbeschw\u00f6rer, Geschichtenerz\u00e4hler, Musiker, Akrobaten, Affen, Obstst\u00e4nde, Essst\u00e4nde, Hennatattoowiererinnen, aufw\u00e4ndig gekleidete Wasserverk\u00e4ufer. Vieles zielt darauf ab, den zahlreichen Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen, haupts\u00e4chlich soll man f\u00fcrs Fotografieren bezahlen. Sobald man irgendwo stehen bleibt, ist der Sammelhut an einem. Sobald man die Kamera herausholt, ist man bedr\u00e4ngt, als h\u00e4tte man sich gegen die H\u00fctchenspielermafia gestellt. Aber der Platz zieht auch viele Einheimische an die Essst\u00e4nde, zu den Gauklern und sie umlagern die ber\u00fchmten Geschichtenerz\u00e4hler, die sicher nicht wegen der in der Regel nicht Arabisch sprechenden Touristen hier sind. Wenn die Sonne untergeht, steigt eine Rauch- und Dampfwolke der Gark\u00fcchen \u00fcber dem Platz auf, die orientalischen Musikinstrumente verbreiten einen fremdl\u00e4ndischen Klang. Wenn dann der Chor der Muezzine einstimmt, ist eine einzigartige Atmosph\u00e4re, ein Erlebnis f\u00fcr Auge, Ohr und Nase hergestellt (siehe und h\u00f6re auch &#8222;<a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=826\" title=\"Gebetsruf in Marrakech\/Marokko : Audio\">Gebetsruf in Marrakech\/Marokko : Audio<\/a>&#8222;). Nicht umsonst ist dieser Platz in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen als &#8222;Meisterwerk des m\u00fcndlichen und immateriellen Menschheitserbes&#8220;.<br \/>\nDer Djemaa el Fna ist so faszinierend, wie unangenehm. Wie schon oft gibt es auch in Marokko eine gro\u00dfe Diskrepanz zwischen so einem Touristenmagneten mit seinem Kommerz und dem angenehmen, ganz anderen Rest des Landes. Einmal mehr freue ich mich \u00fcber den Vorteil des Radreisens, dass man einen Querschnitt des Landes auch zwischen den zu Sehensw\u00fcrdigkeiten ernannten Orten bekommt.<\/p>\n<p>Zum Abendessen in Marrakech gibt es als Vorspeise eine Schale Schnecken, als Nachtisch eine T\u00fcte Datteln. Ein paar Mal esse ich Tajine &#8211; Gem\u00fcse und Fleisch werden auf Holzkohle in einem Tongef\u00e4\u00df mit kegligem Deckel gegart. Nicht alle kulinarischen Experimente verlaufen erfolgreich, aber ich habe mir nirgendwo den Magen verdorben &#8211; Alhamdoulah, Gott\/Alah sei Dank.<\/p>\n<p>In Meknes ein weiteres Spektakel &#8211; El Khiyala oder Fantasia, Reiterspiele. Auf einem gro\u00dfen Sandplatz vor der alten Stadtmauer hat sich eine 3-stellige Zahl an schmuckvollen Reitern versammelt, ausgestattet mit langen, altmodischen Pulvergewehren. Die Reiter gruppieren sich immer wieder in Staffeln zu etwa einem Dutzend nebeneinander, reiten in gestrecktem Galopp \u00fcber den Platz, wobei sie ihre Flinte schwenken und schreien. Am Ende des Platzes, vor den Zuschauern dort zum Greifen nahe, stoppen sie ihre Pferde hart ab und feuern in die Luft. Applaus gibt es, wenn es m\u00f6glichst synchron, laut knallt, wie bei einem Kanonenschlag, dass man davor sitzend die Druckwelle sp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Fes. In dieser Stadt gibt es die angebliche gr\u00f6\u00dfte Gerberei und F\u00e4rberei Nordafrikas. Von den umliegenden D\u00e4chern bietet sich ein faszinierendes Bild &#8211; farbig und doch absto\u00dfend. Auf einem Hof befinden sich viele Betonbecken mit Fl\u00fcssigkeiten in verschiedener Farbe. In diesen Becken stehen die Arbeiter ohne jegliche Schutzkleidung und ziehen Tierh\u00e4ute durch die Br\u00fche. Auf den umliegenden D\u00e4chern trocknet Wolle und Leder. Ein absto\u00dfendes Bild, weil ich mir in einer anderen Gerberei das Ganze aus der N\u00e4he ansehen und riechen konnte.<\/p>\n<p>Entlang der Ausl\u00e4ufer des Rif-Gebirges werde ich von einem Bauern zu einer \u00dcbernachtung eingeladen. Mohammed baut Cannabis an, wie so viele hier (Cannabis-Anbau ist im Norden Marokkos ein wichtiger Wirtschaftszweig und ern\u00e4hrt viel Bauern und ihre Familien.). Am n\u00e4chsten Morgen bekomme ich die Verarbeitung der Pflanzen vorgef\u00fchrt.<br \/>\nJeder raucht hier Haschisch oder Marihuana, das hier Kiff hei\u00dft, erkl\u00e4rt man mir in einem Caf\u00e9 ein \u00e4lterer Herr. Er holt aus einem Lederetui seine teilbare Kiff-Pfeife heraus, und wenn ich mich an den Nachbartischen umsehe, scheint das zu stimmen. In keinem Land zuvor wurde mir so viel Rauchwerk angeboten. Polizeikontrollen passiert man angeblich gegen einen Obolus.<\/p>\n<p>Viel erlebt habe ich in 2,5 Wochen in Marokko. Ich bin sehr zufrieden, diesen Umweg gemacht zu haben. Es hat sich gelohnt.<\/p>\n<p>Tanger ist sowohl Ausgangs- als auch Endpunkt in Marokko. Per F\u00e4hrschiff geht es ins spanische Barcelona.<\/p>\n<p>Tom<\/p>\n<p class=\"Anhang\">\nFotos zu diesem Artikel: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=829\" title=\"Tarifa\/Spanien - Tanger\/Marokko : Fotos\">Tarifa\/Spanien &#8211; Tanger\/Marokko : Fotos<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tanger, Marokko, ein Tor zwischen Europa und Afrika, das den meisten Afrikanern jedoch verschlossen ist. Tanger besitzt einen zwielichtigen Ruf. Auch, wenn selbst im Land die Marokkaner vor ihren Landsleuten warnen, mache ich von Anfang an positive Erfahrungen. Das soll sich bis zum Schluss nicht \u00e4ndern. Ich lerne die Marokkaner \u00fcberwiegend als sehr freundlich und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/830"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=830"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/830\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=830"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=830"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=830"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}