{"id":778,"date":"2008-08-12T20:10:31","date_gmt":"2008-08-12T18:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=778"},"modified":"2009-11-18T19:01:15","modified_gmt":"2009-11-18T17:01:15","slug":"huanucoperu-cuscoperu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tour-en-blog.de\/?p=778","title":{"rendered":"Hu\u00e1nuco\/Peru &#8211; Cusco\/Peru"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Abfahrt ist vor der Auffahrt. Es geht rauf in &#8222;Die h\u00f6chste Stadt der Welt&#8220; &#8211; Cerro de Pasco, 4348m \u00fc. NHN, Jahresdurchschnittstemperatur 4,2\u00b0C. Nach Litang in China schon die zweite &#8222;H\u00f6chste Stadt der Welt&#8220; auf dieser Radreise. <!--more--> <\/p>\n<p>\u00dcber eine Hochebene geht es nach La Oroya. Obwohl der Ort infolge des Bergbaus als stark kontaminiert gilt &#8211; die Stadt wurde zu einem der zehn am st\u00e4rksten verschmutzten Orte der Welt gew\u00e4hlt &#8211; hei\u00dft es Luftholen f\u00fcr die vor\u00fcbergehend letzte hohe H\u00fcrde, den Abra Anticona, 4818m \u00fc. NHN.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend die vielleicht l\u00e4ngste Abfahrt der Welt. Es geht vom Pass an die K\u00fcste &#8211; ca. 150km immer bergab. Im oberen Teil st\u00fcrzt sich die Stra\u00dfe beeindruckend in eine Schlucht. Die Stra\u00dfe scheint sich in verschiedenen Ebenen mehrfach selbst zu kreuzen, wie in einem 3D-Labyrinth. Die W\u00e4nde werden steiler und h\u00f6her, bis nur noch ein schmales St\u00fcck Asphalt und ein kleines Fl\u00fcsschen hindurchpassen. F\u00fcr uns nur Momenteindr\u00fccke, denn es geht runter, runter, runter.<\/p>\n<p>Nach dieser Strecke der Superlative erreichen wir den Stadtrand von Lima. Eigentlich wollen wir die peruanische Hauptstadt so gut es geht umfahren, was nur bedingt gelingt, gilt sie doch als weniger sehenswert und etwas gef\u00e4hrlich. Auch wenn solche Warnungen nicht immer ernst zu nehmen sind, wir wollen uns den Gro\u00dfstadtstress ersparen.<br \/>\nWir sind auf der Panamericana. Mit dem nahezu verkehrslosen Radeln in abgelegenen Bergregionen ist es endg\u00fcltig vorbei. Als bis zu 7-spurige Stra\u00dfe f\u00fchrt die Panamericana durch das Stadtgebiet von Lima.<br \/>\nWir passieren Siedlungen, deren Baustil so typisch ist vielerorts auf der Welt. Stahlbetonskelett mit Ziegeln ausgefacht, alles unverputzt. Die Geb\u00e4ude sind oben offen, d.h. das &#8222;Dach&#8220; bildet die Decke des letzten Stockwerkes, darauf ein paar halbe W\u00e4nde, die Stahlarmierungen ragen oben heraus. So sieht immer alles aus wie Rohbau, w\u00e4ren die D\u00e4cher der Geb\u00e4ude nicht v\u00f6llig zugem\u00fcllt mit Baumaterial und Ger\u00fcmpel. So sieht es eher aus, wie eine erdbebenzerst\u00f6rte Stadt, denken Denise und ich.<br \/>\nNur wenig sp\u00e4ter sehen wir, wie eine erdbebenzerst\u00f6rte Stadt tats\u00e4chlich aussieht. Wir sind in Pisco. Im August 2007 gab es hier ein sehr starkes Erdbeben. Pisco wurde zu 80% zerst\u00f6rt, vor allem die historischen Kolonialbauten. Nun, 11 Monate sp\u00e4ter, gibt es mehr L\u00fccken zwischen den H\u00e4usern, als H\u00e4user selbst, die Stra\u00dfen sind aufgebuddelt, die Kirche ist ein Holzger\u00fcst mit Bastmatten als W\u00e4nde. Ein erschreckendes Bild.<br \/>\nNahe Pisco besuchen wir die Islas Ballestas. Unmassen an Seev\u00f6geln bev\u00f6lkern diese Inseln, z. Bsp. Pinguine. Fr\u00fcher wurde der als D\u00fcnger verwendete Vogelkot Guano hier abgebaut, heute sind sie Teil eines Nationalparks, in dem wir neben den V\u00f6geln auch Seel\u00f6wen und Delphine sehen.<br \/>\nWir kommen etwas h\u00f6her und verlassen die sog. Gar\u00faa, den K\u00fcstennebel &#8211; immer bedeckter Himmel, nicht mal 20\u00b0C, ungem\u00fctlich. Jetzt sieht die W\u00fcste aus, wie man es von einer W\u00fcste erwartet, n\u00e4mlich mit sengender Sonne.<br \/>\nN\u00e4chste touristische Sehensw\u00fcrdigkeit ist Nazca mit den ber\u00fchmten Nazca-Linien, bis zu 20km lange Linien und Linienbilder mit einer Gr\u00f6\u00dfe bis zu mehreren hundert Metern nur in den W\u00fcstenboden gescharrt und manche trotzdem seit 2800 Jahren erhalten, Funktion noch immer ungekl\u00e4rt.<br \/>\nIn der N\u00e4he von Nazca besuchen wir den vorspanischen Friedhof von Chauchilla. Die Toten wurden in hockender Stellung in Textilien verschn\u00fcrt und sind teilweise gut erhalten. So sieht man bei vielen noch die Haare.<\/p>\n<p>Nach der Abfahrt ist vor der Auffahrt. Wenige Tage nachdem wir von \u00fcber 4800m \u00fc. NHN hinunter gefahren sind, geht es nun wieder auf 4700m \u00fc. NHN hinauf, die ersten 100km bzw. 2 Tage ununterbrochen bergauf. Klingt nach unsinniger Streckenplanung, wir bekommen so aber einen gr\u00f6\u00dferen Querschnitt von Peru zu sehen. Erneut durchradeln wir alle Landschaftsformen (au\u00dfer den Dschungel \u00f6stlich der Anden) &#8211; W\u00fcste mit und ohne Steine, mit und ohne Kakteen, gr\u00fcnere, landwirtschaftlich genutzte T\u00e4ler, karge Hochebenen mit schneebedeckten Bergen und weidenden Alpakas, Lamas und Vicu\u00f1as und mit Chinchillas. Nicht vielerorts auf der Welt d\u00fcrfte man innerhalb weniger Tage von den Pinguinen zu den Papageien radeln, die in den T\u00e4lern l\u00e4rmend \u00fcber Papayab\u00e4ume fliegen und dazwischen, dort wo man es am wenigsten erwartet, Flamingos sehen (Andenflamingos, die in der H\u00f6he leben und offensichtlich recht k\u00e4lteresistent sind).<\/p>\n<p>&#8222;Ich kann nicht schlafen. Da drau\u00dfen ist irgendwas.&#8220;, weckt mich Denise. Pflichtbewusst schaue ich aus dem Zelt in Erwartung nichts zu finden, vielleicht ein Tier. Doch direkt am Zelt und neben unseren R\u00e4dern steht ein Typ. Ich br\u00fclle ihn an, um ihn zu erschrecken und in die Flucht zu schlagen. Das gelingt. Eine der Packtaschen am Fahrrad ist offen, also renne ich sofort hinterher. Er ist auf flinken F\u00fc\u00dfen unterwegs, ich auf nackten. Nach wenigen Meter verliere ich den R\u00e4uber in der Dunkelheit. Offensichtlich hatte er erst versucht, die Packtasche abzunehmen &#8211; eine Sache von einem Handgriff, wenn man das System kennt. Dann hat er sich scheinbar schwer getan, den Verschluss zu \u00f6ffnen. Letztlich raubt er uns &#8222;nur&#8220; den Schlaf. Wir bleiben wach, starren in die Dunkelheit, leuchten gelegentlich mit der Lampe, um den Dieb wissen zu lassen, dass wir wach sind. Bisher nicht sehr clever vorgehend, d\u00fcrfte er wissen, dass er selten eine Gelegenheit hat, Radtouristen auszunehmen.<\/p>\n<p>Nach der Stadt Abancay eine 2000-H\u00f6henmeter-Abfahrt, die ich endlich wieder genie\u00dfen kann. In den letzten Tagen war ich wie auf rohen Eiern unterwegs. Meine Hinterradfelge ist gebrochen nach mehr als 30000km auf denen sie auch als Bremsfl\u00e4che in den hohen Gebirgen dieser Erde herhalten musste. Ersatz ist nicht leicht zu beschaffen. 363km fahre ich mit gebrochener Felge. Der Reifen rutscht teilweise hinunter, der Schlauch liegt frei. Mit allen Tricks versuche ich daf\u00fcr zu sorgen, dass dieses unf\u00f6rmige Etwas, das einmal mein Hinterrad war, noch durch den Rahmen rotiert &#8211; Rad schief einbauen, eine gegenl\u00e4ufige Acht ins Rad ziehen, Schutzblech verschieben, Bremse demontieren. Abermals gelingt es, alles was m\u00f6glich ist aus eigener Kraft, auf eigenem Rad zur\u00fcckzulegen. Ich erstehe eine Felge, die von den Ma\u00dfen und der Speichenanzahl nicht ins Rad passt, aber die Implantation verl\u00e4uft erfolgreich.<\/p>\n<p>Jetzt sind wir in Cusco, ehemals Inka-Metropole, nun ein Ort, verstopft von Touristen.<br \/>\nWeiter geht es Richtung Titicacasee und Bolivien.<\/p>\n<p>Tom<\/p>\n<p class=\"Anhang\">\nFotos zu diesem Artikel: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=777\" title=\"Hu\u00e1nuco\/Peru - Cusco\/Peru : Fotos\">Hu\u00e1nuco\/Peru &#8211; Cusco\/Peru : Fotos<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Abfahrt ist vor der Auffahrt. Es geht rauf in &#8222;Die h\u00f6chste Stadt der Welt&#8220; &#8211; Cerro de Pasco, 4348m \u00fc. NHN, Jahresdurchschnittstemperatur 4,2\u00b0C. Nach Litang in China schon die zweite &#8222;H\u00f6chste Stadt der Welt&#8220; auf dieser Radreise.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/778"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=778"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/778\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}