{"id":770,"date":"2008-07-19T02:04:54","date_gmt":"2008-07-19T00:04:54","guid":{"rendered":"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=770"},"modified":"2017-01-19T08:44:05","modified_gmt":"2017-01-19T07:44:05","slug":"trujilloperu-huanucoperu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tour-en-blog.de\/?p=770","title":{"rendered":"Trujillo\/Peru &#8211; Hu\u00e1nuco\/Peru"},"content":{"rendered":"<p>Unsere beiden Optionen f\u00fcr die Weiterfahrt werden uns von allen gleich beschrieben. Wir k\u00f6nnen entlang der K\u00fcste fahren auf k\u00fcrzestem Weg und auf gut asphaltierter Stra\u00dfe, flaches Profil. Wir h\u00e4tten t\u00e4glich Gegenwind, und von den Sch\u00f6nheiten des Landes s\u00e4hen wir wenig.<!--more--> Zweite M\u00f6glichkeit w\u00e4re, wieder in die Berge rauf zu fahren &#8211; schwere Hinterlandtour hei\u00dft es, hart zu fahrende Pisten, P\u00e4sse weit \u00fcber 4000m \u00fc. NHN, K\u00e4lte, wenig Versorgungsm\u00f6glichkeiten. Daf\u00fcr lobt man die Landschaft als eine der sch\u00f6nsten S\u00fcdamerikas. Wir haben uns entschieden.<br \/>\nNach einem Ausflug an den Strand von Huanchaco, wo es die ber\u00fchmten &#8222;Caballitos de Tortora&#8220;, die Tortora-Reiter, zu sehen gibt &#8211; Tortora ist der Name des Schilfs, aus dem die Fischer ihre Boote zusammenbinden &#8211; verlassen wir Luchos &#8222;Haus der Radfahrer&#8220; und dem Plan, es mit der anstrengenderen Strecke aufzunehmen.<br \/>\nVon nun an mit uns unterwegs ist Alberto aus Ecuador, der mit seinem H\u00e4nger wieder gut zu uns passt (<a href=\"http:\/\/www.a-pedal.com\" title=\"website von Alberto\" target=\"_new\">www.a-pedal.com<\/a>). Erstmals treffen wir lateinamerikanische Radreisende. So sind im &#8222;Casa de Ciclistas&#8220; neben uns 2 Argentinier, ein Chilene und eben ein Ecuadorianer. Die Nationenstatistik hier f\u00fchren die Deutschen an.<br \/>\nHinter dem Ort Chao, wo die Hauptstra\u00dfe zum Volleyballfeld gemacht wird, biegen wir vom Asphalt ab. Um uns ist W\u00fcste, vor uns die ersten Schuttberge. Nach einem St\u00fcck Piste, das sich besser f\u00e4hrt, als so manche Asphaltstra\u00dfe, kommt ein hartes St\u00fcck Arbeit. Die Piste besteht aus Ger\u00f6ll. Man rutscht, findet keine Fahrspur, wird durchgesch\u00fcttelt. Es geht bergauf. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt nicht weit \u00fcber der eines Fu\u00dfg\u00e4ngers, 80km bzw. 2 Tage lang. Die Landschaft jedoch entsch\u00e4digt. Berge in allen Formen, Gestein und Sand in rot, gelb, schwarz, hellgrau, Felstunnel, nur wenige Meter breite Schluchten z.Bsp. im &#8222;Ca\u00f1on del Pato&#8220;, der &#8222;Entenschlucht&#8220;, wo die beiden Hauptbergketten Wand an Wand stehen.<br \/>\nAusgerechnet am ersten Tag, an dem wir wieder Asphalt unter den R\u00e4dern haben, schaffen wir ganze 17 Kilometer. Am Abend zuvor hatten wir erst in der D\u00e4mmerung einen Lagerplatz gesucht. \u00dcbersehen hatten wir, das alles mit Dornen \u00fcbers\u00e4t war &#8211; klein zwar, aber hart und spitz, je 4 St\u00fcck tetraederf\u00f6rmig angeordnet wie bei den sogenannten Kr\u00e4henf\u00fc\u00dfen. Genau wie diese, funktionieren sie bestens, hauchen erst einer selbstaufblasenden Isomatte die Luft aus, dann platten sie alle drei Reifen von Alberto (Vorderrad, Hinterrad, Anh\u00e4nger &#8211; bis zu 4 L\u00f6cher pro Schlauch). Der Ersatzschlauch ist bereits eingebaut, es gibt Probleme mit dem Flickzeug, dem Ventil, der Luftpumpe. Dann fahren wir 50m, dann 7km bis zum n\u00e4chsten Platten. So vergeht ein guter Teil des Tages. Unterst\u00fctzend demonstrieren die Bauern. Hier haben sie die Demos zwar eingestellt, ihre zur\u00fcckgelassenen Barrikadenreste aus Steinen, B\u00e4umen, Glasscherben und Dornenstr\u00e4uchern erleichtern jedoch nicht das Radfahren.<br \/>\nDie Bauerndemonstrationen sind der Grund, weshalb wir am sp\u00e4ten Nachmittag nach einer 17-km-Etappe das Radfahren im netten \u00d6rtchen Caraz beenden. Die Bauern blockieren die Stra\u00dfe. Alles steht. Von unserer Idee, mit dem Rad k\u00f6nnten wir schon irgendwie um und \u00fcber die Barrikaden, r\u00e4t man uns ab. Die Bauern, sie streiken f\u00fcr h\u00f6here Preise beim Verkauf ihrer Produkte, seien sehr aufgebracht. Es k\u00f6nnte zu Auseinandersetzungen kommen, bei denen wir unsere Ausr\u00fcstung loswerden w\u00fcrden. Alberto ist zwar ein gro\u00dfes Talent beim Reden mit Leuten, was aber bei den indigenen Sprachen der Bergbauern nicht zur Geltung kommen k\u00f6nnte. Denise hatte so etwas bei ihrem Peru-Besuch 2003 erlebt. Auf Eselkarren \u00fcber Nebenstrecken war sie unterwegs, weil die Demonstranten gewaltsam jeglichen Verkehr stoppten. Niemand wollte eine schwangere Frau ins Krankenhaus fahren, da die Autos einem Steinehagel ausgesetzt w\u00e4ren. Den Nachrichten entnehmen wir, dass diesmal eine Schwangere sterben musste, weil selbst Krankenwagen blockiert wurden. Wie angek\u00fcndigt ist am n\u00e4chsten Tag alles vorbei, keine Probleme. Nur ein paar verbrannte Autoreifen zeugen von den Vorf\u00e4llen.<br \/>\nVorbei an Perus h\u00f6chsten Bergen in der Cordillera Blanca, schneebedeckten 6000ern, geht es h\u00f6her und h\u00f6her in die Berge. Tags\u00fcber sonnig und warm, f\u00e4llt das Thermometer bei N\u00e4chten \u00fcber 4000m \u00fc.NHN bis unter den Gefrierpunkt.<br \/>\nDie Landschaft begeistert uns vor allem wegen der Abwechslung &#8211; W\u00fcste und farbige Mondlandschaft, Ca\u00f1ons, schneebedeckte, schroffe Berge, weite, tundraartige Hochfl\u00e4chen, gr\u00fcne Berge, Berge, die mit einem bunten Flickenteppich aus landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen \u00fcberzogen sind. F\u00fcr mich ein Glanzpunkt der nunmehr fast 30000km langen Reise.<br \/>\nWeniger begeistern uns die Hunde. Mitlaufende kl\u00e4ffende Hunde sind \u00fcberall ein dem Radfahrer bekanntes \u00c4rgernis. Hier scheinen sie aber aggressiver. Erstmals auf der ganzen Reise bei\u00dfen sie in die Packtaschen. Z\u00e4hne fletschend rennen sie auf uns zu. An jeder H\u00fctte ein ganzes Rudel. Nur durch das Bewerfen mit Steinen k\u00f6nnen wir sie verjagen, und wenn es eins hier noch mehr gibt als Hunde, dann Steine.<br \/>\nAuf dem letzten Pass vor der Stadt Hu\u00e1nuco blockieren nicht aufgebrachte Bauern, sondern tanzende die Stra\u00dfe &#8211; ein Familienfest in bunten Kleidern mit Live-Musik. Dem festen Handgriff und unnachgiebigem Ziehen einer \u00e4lteren Frau, sie ist etwa halb so gro\u00df wie ich, k\u00f6nnen wir uns nicht verweigern und m\u00fcssen eine Runde mittanzen.<br \/>\nDann eine lange Abfahrt &#8211; 2000 H\u00f6henmeter runter, ca. 60 Kilometer. Klingt nach einem Traum f\u00fcr Radfahrer, ist aber das Gegenteil, denn es geht \u00fcber grobsteinige, staubige, Schotterpiste. Sind wir beim Bergauffahren oft auf der Kante zum Abgrund unterwegs, weil es dort die beste Fahrspur gibt, ist hier kein Entkommen. Trotz beherztem Abfahrtstempo, vollgefederte Lieger\u00e4der sind dabei nicht das Schlechteste, fahren wir mehr als 4 Stunden bergab, ein 4-st\u00fcndiger Boxkampf, unterbrochen nur durch einen platten Reifen und einen Sturz von Denise. Bis auf einen Kratzer ist alles in Ordnung, schon ihre 2. Hose auf dieser Tour musste aber dran glauben.<br \/>\nV\u00f6llig staubig erreichen wir Hu\u00e1nuco, voraussichtlich das Ende des Radfahrens auf Piste in Peru. Erstmal Duschen, wie meistens kalt.<\/p>\n<p>Tom<\/p>\n<p class=\"Anhang\">\nFotos zu diesem Artikel: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=769\" title=\"Trujillo\/Peru - Hu\u00e1nuco\/Peru : Fotos\">Trujillo\/Peru &#8211; Hu\u00e1nuco\/Peru : Fotos<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere beiden Optionen f\u00fcr die Weiterfahrt werden uns von allen gleich beschrieben. Wir k\u00f6nnen entlang der K\u00fcste fahren auf k\u00fcrzestem Weg und auf gut asphaltierter Stra\u00dfe, flaches Profil. 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