{"id":697,"date":"2008-01-09T17:18:03","date_gmt":"2008-01-09T15:18:03","guid":{"rendered":"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=697"},"modified":"2011-01-03T22:03:07","modified_gmt":"2011-01-03T21:03:07","slug":"xi%e2%80%99anchina-pekingchina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tour-en-blog.de\/?p=697","title":{"rendered":"Xi\u2019an\/China &#8211; Peking\/China"},"content":{"rendered":"<p>Ich erreiche den Ausgangspunkt der Seidenstra\u00dfe, die Stadt Xi&#8217;an.<br \/>\nHier kreuzen sich meine Reiseroute und die von Jule und Karsten, Freunde aus Berlin, die mit Rucks\u00e4cken durch die Welt reisen &#8211; www.kreutziger.net. <!--more-->Ich denke daran, da\u00df mir die beiden bestimmt auf dem Weg zu ihrem Hostel \u00fcber den Weg laufen. Schlie\u00dflich hat Xi&#8217;an &#8222;nur&#8220; etwas mehr als 7 Millionen Einwohner. Auf dieser Reise habe ich bereits 2-mal Leute zuf\u00e4llig in gro\u00dfen St\u00e4dten wiedergetroffen &#8211; in Chengdu, 10,4 Millionen Einwohner und in Kairo, 7,7 Millionen Einwohner allein in der in der eigentlichen Stadt. Und so gibt es das erste Wiedersehen mit Jule und Karsten tats\u00e4chlich zuf\u00e4llig auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten beiden Tage verbringen wir zusammen &#8211; durch die Stadt bummeln, zusammen Essen, Erledigungen in Sachen China-Visum und Radersatzteilbeschaffung, der weiblichen, deutschen Fu\u00dfballnationalmannschaft beim Gewinn des WM-Finales hier in China zusehen und nat\u00fcrlich viel viel quatschen. Beeindruckende 28 Monate reisen die beiden schon und sind offenbar immernoch neugierig und wissbegierig. Keine Spur von ziellosem In-den-Tag-hineinleben. Es ist sch\u00f6n, Bekannte wiederzusehen, und ich freue mich, da\u00df die beiden ihren Aufenthalt in Xi&#8217;an meinetwegen um einen Tag verl\u00e4ngern. In dem gem\u00fctlichen Hostel kommt bei mir zum zweiten Mal das Gef\u00fchl auf, hier k\u00f6nnte ich noch einen Tag bleiben und nichts tun oder besser noch etwas im blog von mir h\u00f6ren lassen. Das ablaufende China-Visum l\u00e4\u00dft mich aber besser fr\u00fcher als sp\u00e4ter wieder auf&#8217;s Rad steigen.<br \/>\nAls ich am n\u00e4chsten Abend in irgendeiner Stra\u00dfenk\u00fcche abendesse und anschlie\u00dfend allein meinen Schlafsack auf irgendeinem Feld ausrolle, komme ich mir nach diesem Treffen etwas einsam vor.<\/p>\n<p>Besuch der Terrakotta-Armee. Auch f\u00fcr sehr viele andere Menschen Besuch der Terrakotta-Armee. Es ist der 1.10., Nationalfeiertag, erster Ferientag einer landesweiten Ferienwoche. Vermutlich ist es an dieser weltweit bekannten Sehensw\u00fcrdigkeit aber immer voll.<br \/>\nEs ist einer der gr\u00f6\u00dften Grabbauten der Welt, an dessen Bau mutma\u00dflich 700000 Arbeiter beteiligt waren. Teil der Anlage ist eine komplette, lebensgro\u00dfe Armee aus Terrakottasoldaten mit echten Waffen und Wagen mit Pferden aus Bronze oder Ton &#8211; etwa 7300 Soldaten und 130 Kriegswagen. Nur ein Bruchteil ist bisher ausgegraben, die zerbrochenen Soldaten werden m\u00fchevoll zusammengepuzzelt und von der urspr\u00fcnglichen Farbgebung ist wenig erhalten. Dennoch beeindruckt das ganze durch die riesige Anzahl an Figuren, enorme handwerkliche F\u00e4higkeiten und die Tatsache, da\u00df es hinsichtlich Gesichtz\u00fcgen, K\u00f6rperhaltung und Ausstattung keine identischen Figuren gibt.<\/p>\n<p>Ich zahle mit meiner Prominenz. 3 Mal haben sich beim Essen Leute so sehr f\u00fcr mich interessiert, da\u00df ich, da es keine gemeinsame Sprache gab, einen chinesischen Zeitungsartikel herausgeholt habe, der mich und mein Tun ausf\u00fchrlich beschreibt. So hat 2 Mal das Restaurant und 1 Mal ein anderer Gast mir das Essen gesponsert. Ein Nudelessen kostet umgerechnet zwar nur ca. 50 Cent, dennoch sehr nett. Der f\u00fcr mich zahlende Gast bringt mich zu einem Hotel &#8211; sieht deutlich besser aus, als die Billigunterk\u00fcnfte, in die ich mich sonst einquartiere. Normalerweise h\u00e4tte ich hier nicht nach einem Zimmer gefragt. Mein &#8222;Betreuer&#8220; m\u00f6chte den Zeitungsartikel, verschwindet damit immer wieder, telefoniert viel. In der Hotellobby sammeln sich Leute um mich. Ich werde etwas ungeduldig, denn es ist bereits Nacht, ich suche einen ruhigen, bezahlbaren Schlafplatz, und von beidem scheine ich derzeit weit entfernt. Letztendlich schenkt mir die Hotelleitung eine \u00dcbernachtung inklusive sehr gutem Fr\u00fchst\u00fcck. Eine Frau m\u00f6chte mir umgerechnet etwa 20,-\u20ac schenken, f\u00fcr chinesische Verh\u00e4ltnisse nicht wenig. Davon k\u00f6nnte ich ein paar Tage leben. Ich lehne aber ab. Am n\u00e4chsten Morgen ein Fernsehinterview. Ein Tourismus-Regierungsbeamter will noch die Zeitung herbeiholen, aber es sind Ferien, und kein Reporter ist verf\u00fcgbar. Sehr schade ist, da\u00df wegen der Ferien auch ein Schulbesuch ausf\u00e4llt. Einer der Anwesenden ist Lehrer und h\u00e4tte mich anderenfalls mit in die Schule genommen.<\/p>\n<p>Ich begegne Dan aus England, der mir mit dem Rad aus Korea entgegenkommt und Richtung S\u00fcdafrika unterwegs ist &#8211; www.koreatocapetown.co.uk. Keinesfalls wird er dabei abermals durch \u00c4thiopien radeln, denn was ihm dort auf einer vergangenen Radreise passiert ist, ist wirklich \u00fcbel. Er stie\u00df mit einer Frau zusammen, war etwas weggetreten, dann wurde er getreten, mit St\u00f6cken geschlagen, mit Steinen beworfen. Auch infolge des Sturzes hat er sich Rippen gebrochen, den Arm, das Bein verletzt, Bruch an der Schulter mit ordentlicher Narbe. Dagegen sind unsere \u00c4thiopien-Erlebnisse ausgesprochen harmlos.<\/p>\n<p>Erstmals treffe ich Radfahrer mit gleichem Ziel, ein chinesisches P\u00e4rchen auf dem Weg nach Peking. Sie sind in einem Radclub, und in jeder gr\u00f6\u00dferen Stadt scheint es Radclubs zu geben. Diese sind \u00fcber die Ankunft der Radler informiert, kommen dann bis ca. 20km vor die Stadt entgegen und k\u00fcmmern sich um Essen und Unterkunft. So war ich mit von der Partie &#8211; eingeladen zum Essen, Zimmer billig, weil mit den Chinesen geteilt. Die beiden haben einen Etappenplan, also genau festgelegt, wo sie schlafen (immer in einer Stadt). Der Zeitplan ist zwar recht ordentlich, f\u00fcr mein Visum aber einen Tag zu lang. So bin ich am n\u00e4chsten Tag alleine weiter. Nach 100km wartet das Empfangskomitee f\u00fcr die Chinesen, die mich gleich mit einladen. &#8222;Vielen Dank, aber ich will heute noch weiter.&#8220; Etwas sp\u00e4ter ein Empf\u00e4nger, der telefonisch f\u00fcr mich abgestellt ist. Letztlich ist es dann doch sp\u00e4t und dunkel geworden, und ich bleibe in der Stadt. Wieder Zeitungsinterview und Kameramann. Gro\u00dfes Essen in einem seafood-Restaurant mit vielen Mitgliedern des Radclubs &#8211; ein geselliger, lauter Abend. Irgendwann kommen auch meine chinesischen Freunde an. Das Essen ist kostenlos, weil der Restaurantbesitzer Radclub-Mitglied ist, das Hotel ist kostenlos, weil der Besitzer der Onkel eines Radclub-Mitglieds ist. Am n\u00e4chsten Tag sind wir zu 3. los. Die beiden legen ein ziemliches Tempo vor. Nach 70km der Einbruch. Sie schicken mich allein weiter, und ich packe an diesem Tag noch 100km drauf.<\/p>\n<p>Von der viel diskutierten Umweltzerst\u00f6rung in Form von verseuchten Mondlandschaften sehe ich fast nichts, nicht in den Landesteilen, in denen ich unterwegs bin. Nur auf einem Abschnitt ist die Luft sehr dreckig. Die Klamotten sehen aus, als w\u00e4ren sie nie gewaschen worden. Nach einem halben Tag auf dem Rad habe ich schwarze H\u00e4nde und ein schwarzes Gesicht.<\/p>\n<p>Nach straffer Fahrt &#8211; trotz Gegenwind mehr als 1200km in 9 Tagen &#8211; erreiche ich Peking. 1 Tourgeburtstag &#8211; 1 Jahr im &#8222;Sattel&#8220;. Ca. 20700km betr\u00e4gt der Tachostand.<\/p>\n<p>Tom<\/p>\n<p class=\"Anhang\">\nFotos zu diesem Artikel: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=696\" title=\"Xi\u2019an\/China - Peking\/China : Fotos\">Xi\u2019an\/China &#8211; Peking\/China : Fotos<\/a><br \/>Presse: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?page_id=771#Presse06\" title=\"Yan Zhao Metropolis Daily, China, 10.10.2007\" target=\"_self\">Yan Zhao Metropolis Daily, China, 10.10.2007<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich erreiche den Ausgangspunkt der Seidenstra\u00dfe, die Stadt Xi&#8217;an. Hier kreuzen sich meine Reiseroute und die von Jule und Karsten, Freunde aus Berlin, die mit Rucks\u00e4cken durch die Welt reisen &#8211; www.kreutziger.net.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/697"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=697"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/697\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1089,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/697\/revisions\/1089"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tour-en-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}