{"id":619,"date":"2007-10-26T02:06:04","date_gmt":"2007-10-26T00:06:04","guid":{"rendered":"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=619"},"modified":"2013-12-16T10:53:49","modified_gmt":"2013-12-16T09:53:49","slug":"lhasatibet-kangdingchina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tour-en-blog.de\/?p=619","title":{"rendered":"Lhasa\/Tibet &#8211; Kangding\/China"},"content":{"rendered":"<p>Tibet &#8211; \u00fcble Pisten, H\u00f6henkrankheit, schlechtes Wasser, m\u00e4\u00dfige Lebensmittelversorgung, nur gesalzener Buttertee, tollw\u00fctige Hundebanden, \u00fcberall milit\u00e4rische Kontrollpunkte. Durchschnittlich 6 chinesische Radfahrer t\u00e4glich, Studenten in den Semesterferien, kommen mir entgegen. &#8222;Da kommst du mit dem Fahrrad nicht durch. Gef\u00e4hrlich.&#8220;<!--more--><br \/>\nVon wegen. Alles leichter, als berichtet wird. Viel scheint sich in den letzten Jahren ge\u00e4ndert zu haben. Oft sind die Stra\u00dfen gut bis sehr gut. An keinem checkpoint werde ich kontrolliert. Die Versorgung ist ausreichend, keine Probleme mit Hunden. Auch, wenn es weniger geworden ist, gibt es Pistenabschnitte. Die sind aber fahrbar. Kein Vergleich mit dem, was Maik und ich in Afrika hatten. Vor diesem Hintergrund ist meine Schmerzgrenze wohl eine andere, als die der mir Entgegenkommenden. Herausfordernd werden die Pisten allerdings, wenn es stark regnet &#8211; rutschige Schlammpisten, 2 weggesp\u00fclte Br\u00fccken, einige Wasserdurchquerungen mit Wassertiefen bis zur Oberkante der unteren Packtaschen. Wenn es dabei noch kalt ist, ist es ungem\u00fctlich. Bereits im Vorfeld respekteinfl\u00f6\u00dfend ist das Streckenprofil. \u00dcber 20 P\u00e4sse, meist 4000er, einige \u00fcber 5000m. Dazwischen runter auf H\u00f6hen zwischen 2500 und 3500m, aber auch fast nie tiefer, um der H\u00f6henproblematik zu entfliehen. Die Anstiege k\u00f6nnen 60km lang sein. Das ist meist Arbeit am gleichen Anstieg an 2 aufeinanderfolgenden Tagen. In der Regel sind die Anstiege lang, aber nicht sehr steil. Bei geringerem Sauerstoff-Partialdruck krieche ich mit ca. 5km\/h Stunde um Stunde die Steigungen hoch.<br \/>\nDer h\u00f6chste Pass ist mit 5013m und 25cm ausgewiesen. Die H\u00f6henangabe steht auf einem Stein, der sich auf einem Dreckhaufen neben der Stra\u00dfe befindet. So kann ich nicht genau sagen, wie hoch ich bin.<br \/>\nDie Landschaft gef\u00e4llt mir sehr. Ich bin motiviert, aber manchmal habe ich keine Lust auf das t\u00e4gliche, ewige Bergauffahren.<\/p>\n<p>Insbesondere in Lhasa f\u00fchle ich mich dem Westen so nahe, wie lange nicht mehr &#8211; riesige Superm\u00e4rkte, Internet-Cafes, wie ich es noch nirgendwo gesehen habe &#8211; mehr als 200 Pl\u00e4tze, Breitbild-Flachbildschirme, Ledersessel, schnelle Verbindung. Trotz sehr guter Ausstattung der erste Kontakt mit chinesischer Informationsunterdr\u00fcckung. Kein Zugriff auf alle blogspot-Seiten der US-Amerikaner aus meiner Reisegruppe nach Lhasa und auf andere Reisetageb\u00fccher. Kein Zugriff auf Wikipedia oder Infos \u00fcber Tibet inklusive Tibet-Wetter.<br \/>\nIch bleibe noch 1 Tag in der Stadt. Es hei\u00dft nicht zuviel tr\u00f6deln, wegen der begrenzten Aufenthaltsgenehmigung f\u00fcr Tibet. Endlich wieder auf&#8217;s Rad. Nach Kenia, Tansania, Indien und Nepal geht es zur\u00fcck auf die rechte Stra\u00dfenseite.<br \/>\nAm letzten Abend in Lhasa m\u00f6chte ich den Potala-Palast bei Nacht fotografieren. Ein Rikscha-Fahrer springt mir vor der Linse herum, will nicht verstehen, dass ich keine Mitfahrgelegenheit brauche. Endlich freie Sicht. Ein erstes Bild, da geht die Beleuchtung des Palastes aus. Die M\u00f6nche m\u00f6chten schlafen, deutet mir der Rikscha-Fahrer.<\/p>\n<p>Neben der physischen Herausforderung ist vor allem die Verst\u00e4ndigung ein Problem. Wenigstens muss ich selten nach dem Weg fragen, denn es gibt weitestgehend eine Stra\u00dfe. Beim Bestellen im Restaurant endet das oft damit, dass ich in der K\u00fcche stehe, in alle T\u00f6pfe gucke und zeige, was ich m\u00f6chte. Nicht alles, was ich im hinteren Bereich von Restaurants sehe, ist sehr appetitlich.<br \/>\nEine Restaurant-Geschichte sah so aus: Ich bestelle auf tibetisch. Niemand versteht, und es kommen mehr und mehr Leute zusammen, die versuchen, meinem Kauderwelsch einen Sinn zu entnehmen. Irgendwann ist alles klar, ich bekomme etwas zu essen. Jetzt der spannende Augenblick. Wie benutzt dieser Ausl\u00e4nder die St\u00e4bchen? Ich komme damit klar, und alle freuen sich. Man r\u00fcckt sich St\u00fchle heran, und &#8222;das halbe Dorf&#8220; beobachtet mich beim Essen.<br \/>\nSchwierigkeiten mit den St\u00e4bchen gibt es bei bestimmten Speisen, wenn man westliche Tischsitten beibehalten m\u00f6chte. Die Einheimischen h\u00e4ngen einfach mit dem Gesicht \u00fcber der Esssch\u00fcssel und schieben mit ger\u00e4uschvollem Schl\u00fcrfen die Nahrung \u00fcber den Rand der Schale in den Mund.<\/p>\n<p>Nirgendwo auf der bisherigen Reise wurde ich so oft eingeladen, wie hier in Tibet. So komme ich einige Male in den Genuss bekannter tibetischen Grundnahrungsmittel &#8211; Tee mit Yakbutter und Tsampa (ger\u00f6stetes Mehl, meist Gerste), was mit der Hand zu einem Teig geknetet wird. Kein kulinarischer H\u00f6henflug, aber gut genie\u00dfbar. Vom Yakbutter-Tee h\u00f6rt man viel Grausames, aber er ist weit weg von gesalzenem Tee, vielleicht etwas mit ungesalzenem, nicht mehligem Nudelkochwasser zu vergleichen. Ich werde im Restaurant eingeladen, bei Leuten, die am Stra\u00dfenrand an einem Feuer ihr Mal zubereiten, esse im Nomadenzelt und in typisch tibetischen H\u00e4usern.<br \/>\nDie sehen so aus, dass die Familie in einem Koch-Ess-Schlaf-Gemeinschaftsraum lebt, geschm\u00fcckt mit Holzschnitzereien und sehr bunt bemalt. Entlang der meisten Wandfl\u00e4che gibt es breite Holzkisten belegt mit Teppichen. Diese dienen als Sitzm\u00f6bel und Schlafst\u00e4tte. Davor stehen Tische, kaum h\u00f6her, als die B\u00e4nke, ebenfalls Kisten. Ansonsten gibt es keine weiteren M\u00f6bel, allenfalls Einbauschr\u00e4nke, die T\u00fcren wie Tisch und B\u00e4nke bunt verziert. Wichtig ist ein gro\u00dfer Ofen beheizt mit getrocknetem Yakkot. Die Yakkot-Fladen werden mit der Hand geformt und liegen dann \u00fcberall zum trocknen aus.<br \/>\nIch \u00fcbernachte meist im Freien, aber auch im Kloster, in einer Schule, im Stra\u00dfenbauarbeiter-Camp und in Bauernh\u00e4usern.<br \/>\nSolche Erlebnisse Beigestern mich v\u00f6llig, denn so bekomme ich einen Einblick in das Leben der lokalen Bev\u00f6lkerung, normale Menschen, die mir helfen wollen, einfach freundlich sind, keine Touristen-show, keine erwartete Gegenleistung.<\/p>\n<p>Was vielleicht auch Grund f\u00fcr die vielen Einladungen ist, kann auch anstrengend sein &#8211; eine erwartete, asiatische Zur\u00fcckhaltung fehlt oft. Kaum steige ich vom Rad, sitzt jemand anderes drauf. Ich versuche, den Leuten ihren Spa\u00df zu lassen. Das Problem ist, dass Dinge kaputt gehen. Die Leute klettern unm\u00f6glich \u00fcber&#8217;s Rad, weil sie nicht wissen, wie man aufsteigt, St\u00e4nder und Gep\u00e4cktr\u00e4ger, an dem er befestigt ist, machen das nicht ewig mit. St\u00e4ndig wird alles am Rad angefasst. Ein Ph\u00e4nomen sind identische Verhaltensweisen \u00fcber eine gro\u00dfe Distanz, die gleichen Handgriffe &#8211; Sitzpolster zusammendr\u00fccken, Bremshebel ziehen, lenken, am Griff drehen. Dieser ist eigentlich fest. Irgendwann hat er einen Riss. Nun erkundet jeder, wie leicht sich dieser Riss vergr\u00f6\u00dfern l\u00e4sst, ehe ich alles mit Klebeband abdecke. Risse gibt es auch im Vorderreifen. Immer wieder versuchen Leute diese Risse zu erweitern, um mich dabei darauf aufmerksam zu machen.<br \/>\nSo kommt das Rad gelegentlich einfach mit in den Supermarkt oder ins Netz-Cafe. An dieser Stelle, wenn man etwas erledigen muss, aber das Rad nicht unbeaufsichtigt stehen lassen m\u00f6chte, empfinde ich das Alleinreisen als Schwierigkeit.<\/p>\n<p>Ich erreiche die Grenze der Autonomen Region Tibet. Bis zu einer Stadt, wo ich ein Visum f\u00fcr China beantragen kann, ist es noch ein St\u00fcck. Derweilen l\u00e4uft meine Aufenthaltsgenehmigung ab. Ich telefoniere mit der verantwortlichen Beh\u00f6rde, man notiert meine Daten und dass ich etwas sp\u00e4ter komme. Wer h\u00e4tte das von einer chinesischen Beh\u00f6rde erwartet? Tage sp\u00e4ter dort angekommen, ist man jedoch unzufrieden, mit welcher Verz\u00f6gerung ich eintreffe. So will man mir ein Visum f\u00fcr einige Tage geben. Damit k\u00f6nnte ich gleich zum Flughafen und das Land verlassen. Ich m\u00f6chte mit dem h\u00f6chsten Entscheidungstr\u00e4ger sprechen, denn letztlich ist es ein willk\u00fcrlicher Beschluss. Nach einigem Debattieren, immerhin h\u00f6rt man mich an, gibt es ein Visum f\u00fcr 1 Monat &#8211; angeblich die l\u00e4ngste Dauer, die in dieser Kleinstadt ausgestellt werden kann. Der Chef vom Amt kommt abermals zu mir und erkl\u00e4rt, dass ich sehr \u00fcberzeugend war und nur deshalb l\u00e4nger Zeit bekomme. Dass sie vergessen, mein Visum auf den Ablauf des vorhergehenden permits zur\u00fcck zu datieren, verschafft mir weitere Tage.<br \/>\nVon hier an also 1 Monat Zeit f\u00fcr ein riesiges Land. Zu wenig. Ob ich das Visum verl\u00e4ngern kann ist unklar. Also weiterhin nicht getr\u00f6delt, wenn die Radtour nicht mit anderen Verkehrsmitteln fortgesetzt werden soll. Internet-Cafe-Besuche werden nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig ausgedehnt, wodurch das blog auf der Strecke bleibt.<\/p>\n<p>Tom<\/p>\n<p class=\"Anhang\">\nFotos zu diesem Artikel: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=628\" title=\"Lhasa\/Tibet - Kangding\/China : Fotos\">Lhasa\/Tibet &#8211; Kangding\/China : Fotos<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tibet &#8211; \u00fcble Pisten, H\u00f6henkrankheit, schlechtes Wasser, m\u00e4\u00dfige Lebensmittelversorgung, nur gesalzener Buttertee, tollw\u00fctige Hundebanden, \u00fcberall milit\u00e4rische Kontrollpunkte. 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