{"id":493,"date":"2007-06-19T09:25:05","date_gmt":"2007-06-19T07:25:05","guid":{"rendered":"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=493"},"modified":"2011-01-03T22:09:02","modified_gmt":"2011-01-03T21:09:02","slug":"varshiindien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tour-en-blog.de\/?p=493","title":{"rendered":"Varshi\/Indien"},"content":{"rendered":"<p>Wie ich ein lokaler Star wurde und vor hunderten Menschen auf der B\u00fchne stand.<\/p>\n<p>Es wird bereits dunkel und Regenwolken ziehen auf. Zeit, einen Lagerplatz zu suchen. \u201cWoher? Wohin? Darf ich Dich in mein Dorf einladen?\u201d, fragt wich ein Mann Ende 50. Nicht der schlechteste Zeitpunkt. \u201cO.K..\u201d<!--more--><br \/>\nIch folge ihm auf seinem Motorrad und lande im 5000-Einwohner-Dorf Varshi. Nach der Fahrt durch\u2019s Dorf zu Mr. Girdhars Haus, so der Name meines Gastgebers, haben wir einen Schwanz Neugieriger. Ohne Nachfrage folgen diese bis ins Haus. Der Wohnraum, in den ich nebst Rad einquartiert werde, l\u00e4sst sich mit gro\u00dfen T\u00fcren zur Stra\u00dfe hin \u00f6ffnen. Das wird getan, und in den Raum dr\u00e4ngen so viele Dorfbewohner, wie er fassen kann. Man will mein Fahrrad in Augenschein nehmen und mich beobachten, zun\u00e4chst beim Tee trinken. Der indische Tee ist im \u00fcbrigen sehr lecker &#8211; Wasser und Milch, oder auch nur Milch, werden gekocht, dann Tee, etwas Kaffee, Gew\u00fcrze und Zucker hinzugegeben &#8211; aber leider immer nur in kleinen Mengen serviert.<\/p>\n<p>Zum Abendessen im Zentrum des alten Hauses auf dem Steinfu\u00dfboden wird zu Ehren des Gastes aus Steinpulver ein Muster auf die Erde gezeichnet, sp\u00e4ter noch mal etwas \u00c4hnliches vor dem Eingang zum Haus.<br \/>\nAn einem Stra\u00dfenstand soll ich dann probieren, was die Einheimischen nach dem Essen zur Reinigung der Z\u00e4hne und f\u00fcr den Magen zu sich nehmen. Ein Blatt wird mit Fl\u00fcssigkeiten bestrichen und mit verschiedenen Samen und Pulvern belegt, das Ganze zusammengerollt, in den Mund geschoben, eine Weile dort behalten und dann gegessen. Darauf gefasst, jetzt zu sehen, wo die Messlatte in Sachen feuriger W\u00fcrze liegt, ist die Rolle aber angenehm mild mit Eukalyptusgeschmack, eher wie Zahnpasta.<\/p>\n<p>Dann etwas Kultur. Heute ist der letzte Abend einer religi\u00f6sen Veranstaltung. \u00dcber 7 Tage wird die Geschichte Krishnas erz\u00e4hlt, eine der bedeutendsten g\u00f6ttlichen Figuren der Hindus. Ein Gro\u00dfereignis f\u00fcr die Bewohner Varshis und der umliegenden D\u00f6rfer. Auf der B\u00fchne steht ein Anfang 20-j\u00e4hriger Prediger und erz\u00e4hlt mit hoher Stimme in der Sprache Hindi, untermalt von Keyboard-Akkorden. Ein interessantes Schauspiel, obwohl ich kein Wort verstehe. Um mir den Abend besonders einpr\u00e4gsam zu gestalten, bindet man mich in das Geschehen ein. Ich muss mit auf die B\u00fchne, einen Blumenkranz entgegennehmen, diesen dem Prediger umh\u00e4ngen, zwischendurch auf der B\u00fchne sitzen. Nicht alles l\u00e4uft reibungslos. Ich schw\u00f6re, ich wurde falsch instruiert. Der Prediger nimmt\u2019s locker und selbst in die Hand, hunderte Zuschauer haben was zu lachen. So wird es ein langer Abend.<\/p>\n<p>Dennoch hei\u00dft es am n\u00e4chsten Morgen fr\u00fch aufstehen, rauswandern aus dem Dorf &#8211; Yoga. Mr. Girdhar praktiziert das jeden Tag. Ich darf zusehen und mitmachen. Mit dem Ziel K\u00f6rper und Geist zusammenzubringen und gesund zu erhalten, beinhalten die \u00dcbungen alle vorstellbaren Elemente &#8211; Kr\u00e4ftigungs- und Dehnungs\u00fcbungen, etwas Lachen, etwas Tanzen, etwas Gebet, die Mimik einiger Tiere imitieren und vor allem verschiedene Entspannungs\u00fcbungen und Atemtechniken.<\/p>\n<p>Auf dem Veranstaltungsplan steht heute das Abschlussessen der \u201cKrishna-Tage\u201d, ein Essen f\u00fcr 7000 Menschen. In vielen langen Reihen sitzen die Menschen auf einem Schotterplatz, separiert nach Frauen und M\u00e4nnern. Ein Reisgericht und eine S\u00fc\u00dfspeise aus einem Getreide und karamellisiertem Rohrzucker werden auf zusammengen\u00e4hten Bl\u00e4ttern serviert. Sehr lecker.<br \/>\nAnsonsten verbringe ich den Tag damit, ein wenig im Dorf herumgef\u00fchrt zu werden, sitze immer wieder inmitten unz\u00e4hliger Menschen, um Fragen zu mir, meiner Reise und Deutschland zu beantworten. Ich werde allen bedeutenden Leuten des Ortes vorgestellt, und jeder will mich in sein Haus einladen. Unz\u00e4hlige Teerunden finden so statt. Ich bin begehrter Stargast. Meine Popularit\u00e4t erh\u00f6ht sich noch dadurch, dass ein Artikel \u00fcber mich in der Zeitung ist von einem am Vortag gef\u00fchrten Interview.<br \/>\nAm Abend dann noch ein Umzug. Religi\u00f6se Reliquien werden zu Gesang durch\u2019s Dorf getragen. Vor jedem Haus sind Muster aus farbigen Pulvern, sogenannte Rangoli, hingemalt, um einen Gott willkommen zu hei\u00dfen.<br \/>\nAnschlie\u00dfend Abendessen beim Arzt. Mein Gastgeber ist l\u00e4ngst im Bett, als ich \u201cnach Hause\u201d komme.<br \/>\nDie viel zu kurze Nacht bewahrt mich aber nicht davor um 5 Uhr morgens wiederum zum Yoga aufbrechen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Eine feierliche Verabschiedung ist angesetzt und seit dem Vortag am Tempel angeschrieben. Vor diesem Tempel wird mein Rad auf einem Podest aufgestellt, ich stehe ebenfalls dort oben, vor mir die Dorfbewohner. Zun\u00e4chst beantworte ich wieder Fragen, dann werden Reden \u00fcber mich gehalten, ich halte eine Dankesrede, dann rituelle Ehrerbietungen. Man bindet mir ein langes oranges Tuch um den Kopf, ein sogenanntes Paghari, malt mir einen farbigen Punkt auf die Stirn, \u00fcberreicht mir Geschenke. Vor allem nehme ich von allen Pers\u00f6nlichkeiten wieder und wieder die selbe Kokosnuss entgegen. Wichtigste Erledigung vor der Weiterfahrt ist die Vorf\u00fchrung meines Rades. Durch die Massen drehe ich noch ein paar Runden auf dem zentralen Platz. Eine Motorradeskorte begleitet mich die ersten Kilometer aus dem Dorf heraus. Man sagt mir, dass sich alle sehr \u00fcber mich, mein Rad und meine Anwesenheit gefreut haben, und ich muss versprechen, in ein paar Jahren noch einmal vorbeizukommen.<\/p>\n<p>Ein ganz besonderes Erlebnis mit Einblicken, die man sonst wohl nicht so schnell bekommt. Obwohl beide Seiten vermeintlich Englisch gesprochen haben, gab es leider gelegentlich eine Sprachbarriere, die tieferes Verst\u00e4ndnis behindert hat.<br \/>\nBegeistert vom Erlebten, setze ich meine Fahrt fort.<\/p>\n<p>Tom<\/p>\n<p class=\"Anhang\">\nFotos zu diesem Artikel: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=492\" title=\"Varshi\/Indien : Fotos \">Varshi\/Indien : Fotos <\/a><br \/>Presse: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?page_id=771#Presse03\" title=\"Dhule\/Indien, 03.06.2007\" target=\"_self\">Dhule\/Indien, 03.06.2007<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ich ein lokaler Star wurde und vor hunderten Menschen auf der B\u00fchne stand. Es wird bereits dunkel und Regenwolken ziehen auf. Zeit, einen Lagerplatz zu suchen. \u201cWoher? Wohin? Darf ich Dich in mein Dorf einladen?\u201d, fragt wich ein Mann Ende 50. 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