{"id":374,"date":"2007-04-11T14:28:12","date_gmt":"2007-04-11T12:28:12","guid":{"rendered":"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=374"},"modified":"2009-12-08T23:54:37","modified_gmt":"2009-12-08T21:54:37","slug":"addis-abebaaethiopien-moyaleaethiopien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tour-en-blog.de\/?p=374","title":{"rendered":"Addis Abeba\/\u00c4thiopien &#8211; Moyale\/\u00c4thiopien"},"content":{"rendered":"<p>In Addis ist also wieder Organisatorisches zu erledigen &#8211; Visaangelegenheiten. Das schwierige ist, dass alles in US-Dollar bezahlt werden muss. Selbst die \u00e4thiopische Beh\u00f6rde akzeptiert die Landesw\u00e4hrung nicht &#8211; toller Vertrauensbeweis in die eigene W\u00e4hrung und Wirtschaft. US-Dollar abheben geht nicht. Landesw\u00e4hrung in Dollar tauschen ginge nur unter Vorlage eines Flugtickets, das wir nicht haben. Zum Gl\u00fcck haben wir noch Dollar-Barreserven. F\u00fcr den Rest bleibt nur der unlukrative Schwarzmarkt, der sich gleich vor dem Beh\u00f6rdenkomplex angesiedelt hat. Wenigstens befindet sich in Addis Abeba in einem Luxushotel der einzige Bankautomat des Landes, der es erm\u00f6glicht mittels Kreditkarte Geld zu bekommen. Soviel an Infos f\u00fcr \u00c4thiopien-Reisende.<!--more--><br \/>\nWir schauen beim Goethe-Institut vorbei, das dankenswerter Weise als Postannahmestelle f\u00fcr Ersatzteile dient, und wir besuchen Lucy im Nationalmuseum, bzw. das, was nach 3,2 Millionen Jahren von ihr \u00fcbrig ist.<br \/>\nAnsonsten sind wir deutsch Essen, mehr oder weniger, eingeladen von Christof, einem Siemens-Mitarbeiter, der sich mal wieder mit Deutschen unterhalten m\u00f6chte, die nicht f\u00fcr Siemens oder die deutsche Botschaft arbeiten. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir jeder kostenlos einen Anruf in die Heimat absetzen, in \u00c4thiopien auch keine leichte und sehr teure Angelegenheit.<\/p>\n<p>Nach 4 Tagen verlassen wir Addis Abeba. Zun\u00e4chst hei\u00dft es Daumen hoch, und &#8222;Bravo&#8220;-Rufe schallen uns entgegen. Mit etwas Abstand zur Hauptstadt, die sich in Sachen Wohlstand, Bildung, Infrastruktur sehr offensichtlich vom Rest des Landes abhebt, h\u00e4ngt sich \u00c4thiopien noch mal rein, um seinem schlechten Ruf gerecht zu werden. Wenigstens werden keine Steine mehr geworfen.<br \/>\nZ\u00fcgig wollen wir die letzten Etappen zur kenianischen Grenze hinter uns bringen. Leider geht es Maik zwischendurch sehr schlecht &#8211; Arztbesuch, Antibiotikabehandlung, 1,5 Tage Pause. Au\u00dferdem haben wir das Streckenprofil untersch\u00e4tzt. Ein st\u00e4ndiges Auf und Ab kostet uns Kraft.<br \/>\nSeit Addis Abeba gibt es auch immer mal Regen. Bisher hatten wir ja beinahe Null Niederschlag.<\/p>\n<p>Eines Abends landen wir in einem kleinen Dorf, wo wir die Nacht im &#8222;Hotel&#8220; verbringen. Beim Candle-Light-Dinner, Strom gibt es keinen, ist ein Englischlehrer unser Begleiter. Nicht das erste Mal treffen wir Englischlehrer, mit deren Sprachkenntnissen man bei uns um seinen Schulabschluss f\u00fcrchten m\u00fcsste. Dieser erm\u00f6glicht es uns, am n\u00e4chsten Tag eine Schule zu besuchen. Einfache H\u00fctten, Klassenst\u00e4rken, so erz\u00e4hlt man uns, von bis zu 100 Sch\u00fclern, gro\u00dfes Altersspektrum innerhalb einer Klasse. Die Tafel ist englischsprachig mit Chemieinhalten, scheinbar aus einem Lehrbuch abgeschrieben, gef\u00fcllt. Von den Sch\u00fclern scheint jedoch niemand Englisch zu verstehen. Unser Englisch lehrender Begleiter versteht das Tafelgeschriebene wiederum inhaltlich nicht, muss nachfragen, um welches Fach es sich handelt, was sehr offensichtlich ist.<br \/>\nEin Dilemma ist, dass die Menschen zun\u00e4chst ihre Stammessprache sprechen. Amtssprache ist Amharisch, eigentlich auch nur eine beliebige andere Stammessprache. Die Lehrb\u00fccher sind englischsprachig und werden vom Lehrer Teils ins Amharische, f\u00fcr die Sch\u00fcler meist schon Zweitsprache, \u00fcbertragen.<br \/>\nDazu kommt das sehr schlechte Bildungsniveau schon bei den Lehrern. Der Horizont unseres Lehrers endet in der ca. 150km entfernten Universit\u00e4ts&#8220;stadt&#8220;. In der knapp \u00fcber 400km entfernten Hauptstadt war er noch nie.<\/p>\n<p>Wie in jenem Dorf, wo wir die Schule besuchen, k\u00f6nnen wir an verschiedenen Stellen nicht fassen, wie die Menschen leben und ihren Alltag bew\u00e4ltigen, ohne das wir ein Gef\u00fchl wirklicher Not oder Hunger haben. Wir sehen barf\u00fc\u00dfige, in S\u00e4cke gekleidete B\u00e4uerinnen, steinzeitliche Arbeitsweisen der Feldbewirtschaftung. Wir sehen Menschen, deren Arbeit darin besteht auf der Erde zu hocken, gro\u00dfe Steine von einem Haufen zwischen ihre nackten F\u00fc\u00dfe zu nehmen und mit einem Hammer zu kleinen Steinen eines zweiten Haufens zu transformieren.<br \/>\nIn Baha Dar, n\u00f6rdlich von Addis Abeba, sind wir zum Kaffee eingeladen von einem kleinen Jungen, der mir mehrfach \u00fcber den Weg l\u00e4uft und der ganz nett und clever ist. Abends bringt er uns zu seinem Haus. Lehmstra\u00dfen mit \u00e4rmlichen H\u00fctten zwischen denen Feuer lodern. Mittelalterliche Stimmung. Er bewohnt mit seiner Mutter einen einzigen Raum von ca. 2,5\u00d74m, Blechdach, Blecht\u00fcr, kein fester Fu\u00dfboden, kein Wasser, kein Strom, \u00fcberschaubarer Hausrat. Im Kerzenschein sitzen wir zusammen. Das durchgef\u00fchrte \u00e4thiopische Kaffee-Prozedere beinhaltet verschiedene Aufg\u00fcsse und nimmt einige Zeit in Anspruch.<\/p>\n<p>Landschaftlich bietet der letzte Abschnitt noch einiges. Beschattet von Bananenpflanzen wird in den Hochlagen Kaffee angebaut. Als mit abnehmender H\u00f6he die Vegetation lichter wird, stehen unz\u00e4hlige Termitenbehausungen in der Landschaft und lassen diese wie ein Skulpturenpark erscheinen.<\/p>\n<p>Kurz vor der Grenze treffen wir ein Radfahrer-P\u00e4rchen, das schon 9 Jahre unterwegs ist. Die beiden versorgen uns mit einigen Tipps f\u00fcr die hinter der Grenze und vor uns liegenden Pistenkilometer. Mit das Schlimmste, was sie gefahren sind, bei ihrer Erfahrung.<br \/>\nVon diesem Treffpunkt an wird es ruhiger an der Strecke. Gab es in der letzten Zeit keinen Punkt, wo wir ungest\u00f6rt waren, k\u00f6nnen wir nun auch wieder drau\u00dfen schlafen.<\/p>\n<p>Wir sind froh, in Moyale das Land zu verlassen, das uns Nerven gekostet hat, das uns jegliche Hoffnung genommen hat, dass in absehbarer Zeit hier Standards herrschen, die f\u00fcr uns angemessen erscheinen, das uns landschaftlich sehr gefallen hat. Wir haben uns sicher und in Preisangelegenheiten fair behandelt gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Auf nach Kenia!<\/p>\n<p>P.S.: Noch ein Nachtrag zum Pistenabschnitt auf unseren ersten \u00c4thiopien-Kilometern, um noch etwas positives hervorzuheben. In der D\u00e4mmerung und ohne M\u00f6glichkeit noch Zivilisation am gleichen Tag zu erreichen, halten hintereinander 2 Fahrzeuge und man schenkt uns Wasser. Ein anderes Mal schenkt man uns Bananen. Sehr freundlich.<\/p>\n<p>Tom<\/p>\n<p class=\"Anhang\">\nFotos zu diesem Artikel: <a href=\"http:\/\/tour-en-blog.de\/?p=372\" title=\"Addis Abeba\/\u00c4thiopien - Nairobi\/Kenia : Fotos\">Addis Abeba\/\u00c4thiopien &#8211; Nairobi\/Kenia : Fotos<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Addis ist also wieder Organisatorisches zu erledigen &#8211; Visaangelegenheiten. Das schwierige ist, dass alles in US-Dollar bezahlt werden muss. Selbst die \u00e4thiopische Beh\u00f6rde akzeptiert die Landesw\u00e4hrung nicht &#8211; toller Vertrauensbeweis in die eigene W\u00e4hrung und Wirtschaft. US-Dollar abheben geht nicht. Landesw\u00e4hrung in Dollar tauschen ginge nur unter Vorlage eines Flugtickets, das wir nicht haben. 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